Calciumhaushalt und Knochen. Die Rolle zusammenwirkender Nährstoffe
Das Phänomen, das umgangssprachlich als Calcium-Paradox[1] bezeichnet wird, beschreibt eine spezifische Stoffwechselsituation. Dabei beobachtet man eine geringe Knochenmineraldichte, während sich gleichzeitig Calciumverbindungen in Weichgeweben ansammeln[2]. Das Verständnis der Physiologie dieses Vorgangs ist für jeden wichtig, der seine Ernährung bewusst gestalten möchte. Die alleinige Zufuhr von Calcium ist zwar bedeutsam, erfordert jedoch das Vorhandensein geeigneter Kofaktoren, damit dieser Nährstoff tatsächlich in das Knochengewebe gelangt.
Das Zusammenspiel von Magnesium, Vitamin D3 und K2
Calcium wird für die Erhaltung normaler Knochen benötigt. Damit seine Aufnahme und Verwertung im Körper ordnungsgemäß ablaufen kann, arbeitet der Organismus mit mehreren Nährstoffen zusammen:
- Calcium ist das wichtigste Baumaterial für Knochen und Zähne.
- Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion und zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Es spielt zudem eine wichtige Rolle im Stoffwechsel von Vitamin D, da die Enzyme, die Vitamin D in seine aktive Form umwandeln, auf Magnesium angewiesen sind.
- Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor bei. In Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln liegt es häufig als Vitamin D3 vor.
- Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei. Natto liefert es vor allem in Form von Menachinon-7 (MK-7). Vitamin K ist an der Aktivierung Vitamin-K-abhängiger Proteine beteiligt, die am Calciumhaushalt mitwirken.
Vitamin-K-abhängige Proteine erfüllen wichtige Funktionen im Organismus. Vitamin K ist an der Aktivierung von Osteocalcin beteiligt, einem Protein, das Calcium in der Knochenmatrix bindet.
Der Wirkmechanismus Vitamin-K-abhängiger Proteine
Vitamin K2 ist an der Carboxylierung bestimmter Proteine beteiligt, was für ihre biologische Aktivität von Bedeutung ist. Zwei wichtige Proteine in diesem Prozess sind:
- Osteocalcin. Dieses Protein wird von knochenbildenden Zellen produziert. Vitamin K ist an seiner Aktivierung beteiligt, und Osteocalcin bindet Calcium in der Knochenmatrix.
- Das Protein MGP (Matrix Gla Protein). Es kommt unter anderem in den Wänden der Blutgefäße vor. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Aktivität dieses Proteins von einer ausreichenden Vitamin-K-Versorgung abhängt.
Die wissenschaftliche Literatur, darunter die bekannte Rotterdam-Studie[3], beschreibt eine Korrelation zwischen dem Verzehr von natürlichem Vitamin K2 in der Ernährung und dem Funktionieren des Herz-Kreislauf-Systems. Es handelt sich um eine epidemiologische Beobachtung, die die Autoren als Anlass für weitere Analysen betrachten, nicht als Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang.
Natto und fermentierte Soja in der Ernährung
Auf der Suche nach Quellen für Vitamin K lohnt ein Blick auf die traditionelle japanische Ernährung. Natto, also fermentierte Soja, gehört zu den reichhaltigsten lebensmittelbezogenen Quellen für Vitamin K2 in Form von MK-7. Diese Form zeichnet sich durch eine gute Bioverfügbarkeit aus.
Natto enthält außerdem Nattokinase. Dabei handelt es sich um ein proteolytisches Enzym, das während der Fermentation durch das Bakterium Bacillus subtilis Natto entsteht. In Laborstudien (in vitro) wurde seine Aktivität gegenüber Fibrin beschrieben. Ergebnisse aus dem Reagenzglas lassen sich nicht automatisch auf den Menschen übertragen, und Nattokinase hat in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Natto ist ein geschätzter Bestandteil der traditionellen fermentierten Ernährung.
Wie man für einen normalen Calciumhaushalt sorgt
Die Pflege der Knochen sollte ganzheitlich betrachtet werden:
- Ausgewogene Ernährung. Sie sollte Calcium, Magnesium sowie die Vitamine D und K aus verschiedenen Quellen enthalten.
- Hochwertige Quellen. Integrieren Sie fermentierte Produkte wie getrocknetes Natto in den Speiseplan. Sie liefern Nährstoffe in natürlicher Form.
- Regelmäßige Untersuchungen. Kontrollieren Sie Ihren Vitamin-D- und Calciumspiegel im Blut, um Ernährung und eine etwaige Supplementierung auf Ihre individuellen Bedürfnisse abzustimmen.
Wichtige Sicherheitshinweise
Produkte mit hohem Vitamin-K-Gehalt sowie Nattokinase können Gerinnungsvorgänge beeinflussen.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten. Wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen (sowohl Vitamin-K-Antagonisten als auch neuere Präparate) oder Thrombozytenaggregationshemmer verwenden, bedarf der Verzehr von Natto oder die Supplementierung mit Vitamin K2 einer Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt.
- Geplante Eingriffe. Vor geplanten Operationen sollten Sie Ihren Arzt über eine nattoreiche Ernährung informieren, da Natto einen hohen Vitamin-K-Gehalt aufweist, der die Wirkung gerinnungshemmender Medikamente beeinflusst.
Das Team von Natto.pl
Die Inhalte des Natto.pl-Blogs werden von Ernährungsenthusiasten in Zusammenarbeit mit Lebensmitteltechnologen erstellt. Jeder Artikel stützt sich auf wissenschaftliche Veröffentlichungen und Lebensmittelsicherheitsstandards, um zuverlässiges Wissen über fermentierte Soja zu vermitteln.
Faktenprüfung Natto.pl:
Quellen: Dieser Artikel stützt sich auf 1 observationelle klinische Studie sowie 2 Übersichtsarbeiten
Letzte Aktualisierung: 29.12.2025
Zweck: Der Artikel hat informativen Charakter und ersetzt keine ärztliche Beratung
Wissenschaftliches Quellenverzeichnis und Studienbesprechung
- Erklärung des Mechanismus des „Calcium-Paradoxons“: Maresz K., Proper Calcium Use: Vitamin K2 as a Promoter of Bone and Cardiovascular Health, Integrative Medicine: A Clinician’s Journal, 2015. Die Übersichtsarbeit erörtert die Rolle Vitamin-K-abhängiger Proteine im Calciumhaushalt. Die Autorin beschreibt, dass die Aktivierung dieser Proteine von einer ausreichenden Vitamin-K2-Versorgung abhängt. Link zur Studie
- Bestätigung des biologischen Zusammenhangs zwischen Knochen und Gefäßen: Demer L.L., Tintut Y., Vascular calcification: pathobiology of a multifaceted disease, Circulation, 2008. Diese Studie beschreibt die sogenannte „Knochen-Gefäß-Achse“. Die Autoren weisen darauf hin, dass der Mineralverlust aus Knochen und die Ablagerung von Mineralstoffen in Arterien biologisch miteinander verbundene Prozesse sind. Link zur Studie
- Observationsstudie (Rotterdam-Studie): Geleijnse J.M. et al., Dietary Intake of Menaquinone Is Associated with a Reduced Risk of Coronary Heart Disease: The Rotterdam Study, The Journal of Nutrition, 2004. Eine Observationsstudie mit über 4800 Personen. Sie beschrieb eine Korrelation zwischen hohem Verzehr von natürlichem Vitamin K2 in der Ernährung und geringerer Aortenverkalkung in der untersuchten Population. Es handelt sich um eine Korrelation, keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang. Link zur Studie

Dieser Beitrag wurde vom Team von Natto.pl erstellt. Er dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Natto ist ein Lebensmittel und kein Arzneimittel. Nattokinase hat in der EU keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Personen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, sollten den Verzehr Vitamin-K-reicher Lebensmittel mit ihrem behandelnden Arzt besprechen.
